18. April 2024

Ausweitung der Anklage im Listerienprozess bei Käserei

Der ehemalige Geschäftsführer der Käserei Gloggnitz soll heute, am Donnerstag, sein Urteil erhalten. Der 39-jährige Mann steht in Neustadt vor Gericht und wird wegen grob fahrlässiger Tötung in fünf Fällen sowie mehrfacher grob fahrlässiger (schwerer) Körperverletzung angeklagt. In seinem Käse namens „Kajmak“ sollen sich tödliche Listerien gebildet haben. Zu Beginn des Verhandlungstages gibt es eine überraschende Ausweitung der Anklage gegen den Angeklagten. Der gefährliche Keim hat zwischen 2020 und 2022 zu fünf Todesfällen in geführt, sechs weitere Menschen sind erkrankt, darunter ein Baby, das bei seiner Geburt 2022 an Listeriose litt. Das Mädchen wurde sieben Wochen zu früh geboren und überstand eine lebensbedrohliche Sepsis.

Die Aussagen der bisherigen Zeugen in dem seit September 2023 laufenden Prozess geben einen beunruhigenden Einblick in die Zustände in der Käserei. Es wird von Ungeziefer, Ratten, Schwarzschimmel und einem unangenehmen Geruch berichtet. Es gab keine Hygieneschulungen für die Mitarbeiter und eines der Lieferfahrzeuge war nicht ordnungsgemäß gekühlt, während bei einem anderen die Kühlung nicht funktionierte.

Der angeklagte ehemalige Käsereichef, der aus Serbien stammt, bestreitet die Vorwürfe. Die Staatsanwältin überrascht zu Beginn des Verhandlungstages mit einer Ausweitung der Anklage auf Untreue, Körperverletzung, versuchte Körperverletzung und Nötigung. Sie gibt an: „Er hat seine Frau im Büro am Körper verletzt, indem er sie grob am Hals gepackt und ihr eine Ohrfeige gegeben hat“. Im Gerichtssaal wird ein Video des Vorfalls vom 10. März 2023 abgespielt, auf dem eine schreiende Frau zu sehen ist, die vom Angeklagten attackiert wird. Obwohl das Video eindeutig ist, bekennt sich der Angeklagte nicht schuldig und behauptet, er habe die Frau nur festgehalten. Im Video ist auch zu sehen, wie der Mann einen Mitarbeiter wegstößt, der der Frau zur Hilfe eilen will. Der Zeuge gibt an, dabei nicht verletzt worden zu sein.

Ein weiterer neuer Vorwurf der Staatsanwaltschaft betrifft den Konkurs der Käserei Gloggnitz. Der ehemalige Geschäftsführer soll wissentlich Bargeld aus der Handkasse entzogen haben. Da weitere Zeugen benötigt werden und um das Verfahren nicht zu verzögern, werden diese neuen Vorwürfe und zwei Infektionsfälle in einem Wiener Restaurant ausgeschlossen. Es werden weitere Zeugen benötigt, und all diese Fakten werden am 14. März verhandelt.

Am dritten Prozesstag wird abschließend ein Gutachter gehört, der berichtet: „In den erkrankten Patienten wurde der gleiche Listerienstamm gefunden wie in der Käserei Gloggnitz. Es gibt keinen Zweifel, dass diese Stämme zusammengehören. Die Listerien können nur aus dieser Quelle stammen.“ Die Inkubationszeit beträgt bis zu 70 Tage, und der Gutachter ist der Meinung, dass die vorliegenden Fälle nur die Spitze des Eisbergs sind. Es gab mit viele weitere Erkrankungen, die unentdeckt blieben, da sie milder verliefen.

Am Nachmittag wird erwartet, dass Richterin Birgit Borns ein Urteil fällt. Bei einer Verurteilung drohen dem Angeklagten bis zu drei Jahre Haft. Dieser Artikel wird fortlaufend aktualisiert.