21. Juli 2024

Gerichtliches Stalking: Psychiater mit Schreitirade konfrontiert.

Im Landesgericht gibt es keinen einzigen Satz, den Herr Rat herausbekommt, ohne dass der Angeklagte ihm schreiend ins Wort fällt. Der 55-jährige Mann wird beschuldigt, seinen Psychiater über ein Jahr lang gestalkt und bedroht zu haben. Bereits vor der Verhandlung vor dem Gerichtssaal verläuft das Zusammentreffen mit dem Arzt alles andere als reibungslos.

Als der 55-jährige Mann im Landesgericht auf dem Anklagestuhl Platz nimmt, fordert er sofort: „Kann ich auch mal etwas dazu sagen?“ Danach lässt er den Richter nur noch selten zu Wort kommen. Mit Mühe und Not gelingt es dem Richter, Fragen an den bisher unbescholtenen Pensionisten zu stellen, doch erfolglos.

Immer wieder beginnt der Wiener laut von seiner schrecklichen Kindheit zu erzählen. Er berichtet, wie seine Mutter starb, als er sechs Jahre alt war, und wie er danach im Heim misshandelt wurde. Dies ist auch der Grund, warum er in Therapie war. Da er kaum auf die Fragen des Richters eingeht, gibt dieser resigniert auf und stellt die Strafanträge gegen den Angeklagten in die Höhe: „Und was sagen Sie dazu? Stimmt das?“ – „Ja, das habe ich alles gesagt.“

Über ein Jahr lang soll der 55-Jährige seinen Therapeuten gestalkt und bedroht haben. Er empört sich, dass der Therapeut, der drei Jahre lang sein Psychiater war, ihn angeblich nur ausgenutzt und ihm Geld abgenommen habe. Er habe den Arzt immer wieder angerufen, vor seiner Praxis gewartet und ihm anscheinend auch mit der gedroht.

Aus Sicht des Pensionisten ist sein Psychiater ein Krimineller: „Er hat mich als Kinderschänder und Pädophilen hingestellt.“ Deshalb behauptet er, von den Behörden acht Jahre lang überwacht worden zu sein. „Ich tue niemandem etwas. Ich bin ein liebevoller Mensch“, schreit der Angeklagte dem Richter entgegen. Nach 15 Minuten gibt der Richter auf und vertagt die Verhandlung für ein psychiatrisches Gutachten, um zu klären, ob der Wiener zurechnungsfähig ist.

Zum nächsten Termin hat der Angeklagte nur eines zu sagen: „Da bin ich nicht da.“ Er plant, nach Afrika zu fliegen, um dort seine zukünftige Frau zu heiraten. „Ich komme nicht mehr nach Österreich zurück!“ – und er steht auf und geht.

Die Aufregung im Wiener Landesgericht ist damit jedoch noch nicht vorbei. Denn vor dem Saal sitzt der ehemalige Psychiater des Angeklagten, der nun eine Schreitirade beginnt. Der Richter greift ein und holt den Zeugen aus Sicherheitsgründen in den Verhandlungssaal, während der 55-Jährige außer Sichtweite ist.